Digitalisierung in KMU

Neue Perspektiven in der Unternehmenssteuerung

Die Digitalisierung betrifft uns alle. Schlagwörter wie Digitale Transformation, Industrie 4.0, Big Data oder Künstliche Intelligenz sind präsent in den Medien, der Politik sowie den Sitzungszimmern von Führungskräften. Noch nie war es so leicht, Information zu geringen Kosten und in kürzester Zeit zu finden, sammeln, verarbeiten und zu verbreiten. Das eröffnet in der Unternehmenssteuerung neue Perspektiven. So hat sich In vielen Bereichen die Entwicklungsdynamik spürbar erhöht. Neue digitale Geschäftsmodelle werden etabliert, neue Märkte entstehen oder bestehende Märkte werden tiefgreifend verändert. Unternehmen sehen sich gezwungen, sich den verändernden Rahmenbedingungen anzupassen oder verstehen diese zu ihrem Vorteil zu nutzen.

Gute Voraussetzungen für KMU, die Digitale Transformation erfolgreich zu meistern
Solche Veränderungen können in KMU mitunter zu Verunsicherung führen. Doch KMU sind nicht von ungefähr eine zentrale Säule der Wirtschaft. Sie agieren oft flexibler und rascher als Grossunternehmen. Wichtige Ziele der Digitalisierung: Zufriedene Kunden sowie Mitarbeitende, effiziente Prozesse und verbesserte Produkte und Dienstleistungen sind den KMU vertraut. Beschränkte finanzielle und personelle Ressourcen sowie teilweise fehlendes Know-how müssen kein Nachteil sein. Fehlendes Know-how kann aufgebaut oder eingekauft werden. Knappe Ressourcen helfen dabei, nur diejenigen Projekte anzugehen, die auch wirklich Nutzen stiften. Zudem haben KMU dank ihrer Kundennähe und ihrer organisatorischen Strukturen sehr gute Voraussetzungen, um die Digitalisierung erfolgreich zu meistern.

KMU sind den Umgang mit Automatisierungstechnologie gewohnt
Es gibt soziale und technische Weiterentwicklung in der Produktion schon seit jeher, die Fliessbandfertigung von Ford oder das Lean Manufacturing von Toyota. Automatisierungstechnologie hat auch bei KMU in den Bereichen Fertigung und Infrastruktur den Materialfluss optimiert, die Maschinenauslastung verbessert und die Arbeits- und die Prozesssicherheit erhöht. Mit dem Einsatz neuer Technologien durch die Digitalisierung ergeben sich aber auch für KMU neue Möglichkeiten, besser zu werden.

KMU bewegen sich oft in einer analogen Welt mit Anlagen, Maschinen und physischen Produkten 

Je nach Geschäftsmodell gibt es unterschiedliche Ausprägungen der Digitalisierungsmöglichkeiten. Ein hoher Ausprägungsgrad ist bei rein digitalen Geschäftsmodellen gegeben, wie wir sie bei Medienunternehmen oder in der Musikindustrie kennen. Oft bewegen sich KMU aber in einer physischen Welt, in der es auch Anlagen, Maschinen und Produkte gibt. Es liegt in der Natur der Sache, dass hier nicht vollständig digitalisiert werden kann. Weiter gibt es markante Unterschiede im B2B-Geschäft zum B2C Geschäft.

Es gibt kein allgemein gültiges Rezept zur Digitalisierung

Es gibt kein allgemein gültiges Rezept für eine Digitalisierungs-Roadmap. Jedes Unternehmen muss bewerten, für welche Produkte, Services, Prozesse oder Geschäftsmodelle der Einsatz von Ressourcen zur Digitalisierung Sinn macht. Wichtig ist, die Digitalisierung geplant und schrittweise voranzutreiben. So bleiben der personelle und finanzielle Aufwand, die organisatorischen und prozessualen Anpassungen, aber auch die Risiken für die Unternehmung tragbar.

Vorgehensmodell zur digitalen Transformation

Ein gutes Vorgehensmodell basiert auf dem ganzheitlichen Transformationsgedanken. Das Modell ist in aufeinander aufbauenden Schritten gestaltet und fördert eine klare Ausrichtung der Digitalisierung an den Zielen der Unternehmung. Nachfolgend wird ein mögliches Vorgehensmodell vorgestellt und illustriert.

1. Potentiale erkennen und bewerten
Jedes Unternehmen muss für sich das Potential ausloten, in welchen Bereichen durch die Digitalisierung Wettbewerbsvorteile zu erzielen sind. Es gilt herauszufinden, wo das Geschäftsmodell bestmöglich durch Automatisierung und Digitalisierung unterstützt werden kann oder wo unter Umständen ein neues Geschäftsmodell entwickelt werden könnte. Wichtig dabei: Die Landkarte für die Digitalisierung im Einzelfall ergibt sich aus der Unternehmensstrategie und -kultur sowie der Zukunftsvision der Firma. Ein Standardrezept gibt es nicht, ebenfalls keine Abkürzung. Dem Ausloten der Potentiale muss besondere Aufmerksamkeit und genug Zeit gewidmet werden.

Jedes Unternehmen muss sich die Fragen stellen, die für das Unternehmen relevant sind. Beispiele:

  • Wo kann Mehrwert geschaffen und die Kundenbindung erhöht werden?
  • Können unsere Kernkompetenzen auch für weitere, eventuell neue, Bereiche oder Märkte verwendet werden?
  • Wie lässt sich eine stärkere und robustere Position im Markt mit langfristigem Wettbewerbsvorteil erreichen oder sichern?
  • Wie können Produkte und Dienstleistungen und Service Levels optimiert werden?
  • Wie kann über die gesamte Wertschöpfungskette rascher, produktiver, kostengünstiger und qualitativ besser gearbeitet werden?
  • Wie können wir uns über die gesamte Wertschöpfungskette gegen Marktverwerfungen oder Cyberangriffe schützen?
  • Wie kann die Leistungserbringung flexibilisiert und eine grössere Unabhängigkeit bei Lieferketten unter dem Aspekt der Geschäftskontinuität erreicht werden?
  • Wie soll der Grad der digitalen Zusammenarbeit über die gesamte Wertschöpfungskette vertieft werden?
  • Wie kann die Entscheidungskultur und die Entscheidungsgeschwindigkeit verbessert werden?
  • Wie sollen digitale Führungsmodelle und Modelle zur Führung auf Distanz aussehen?
  • Wie erhalten und binden wir zufriedene und motivierte Mitarbeitende?

2. Ziele festlegen
Die Ziele werden abgeleitet aus der Unternehmensstrategie festgelegt.

3. Handlungsfelder definieren und priorisieren
Aus der Potentialanalyse werden Handlungsfelder definiert und priorisiert. Die Handlungsfelder können folgende Bereiche umfassen:

  • Konstante Kundenorientierung
  • Business Development – Neue Strategien und Geschäftsmodelle
  • Leadership – Neue Ansätze in Führung, Kultur und Arbeit
  • Process Engineering – Optimierte Arbeitsabläufe und Automation
  • New Technologies: Apps, Internet der Dinge und Industrie 4.0
  • Digitales Marketing: Neue Plattformen und Kanäle
  • Cloud und Data, Systemlandschaft, IT-Infrastruktur

Die Priorisierung der Handlungsfelder erfolgt schliesslich mittels fundierten Business Cases. Die notwendigen finanziellen Aufwendungen und der erwartete geldwerte Nutzen sind durch die Business Cases bekannt. Das Unternehmen erhält damit fundierte Entscheidungsgrundlagen für die Digitalisierungs-Roadmap.     

4. Projekt Roadmap definieren
Aus den Handlungsfeldern werden Projekte mit eindeutigem Inhalt und Zielen geformt und diese in einer realistischen Roadmap hinsichtlich der Realisierung geplant.

5. Umsetzung
In dieser Phase werden die Projekte umgesetzt. Kritische Erfolgsfaktoren wie ein stringentes Projektmanagement, ein effektives Risikomanagement oder die Begleitung der organisatorischen Transformation müssen gebührend berücksichtigt werden.

Illustration

Würdigung

Die Vorteile einer gut strukturierten Vorgehensweise liegen auf der Hand:

  • Erfolgversprechendste Potenziale werden identifiziert.
  • Es werden die Themen priorisiert, welche den grössten Nutzen versprechen.
  • Intern und extern kann ein klar definierter Digitalisierungspfad kommunizieret werden und so Vertrauen geschaffen werden bei Kunden, Mitarbeitenden und weiteren Stakeholdern.
  • Aktuelle Trends der technologischen Entwicklung können adäquat berücksichtigt werden, ohne sich dabei in neuen Technologien zu verlieren.

Auf der anderen Seite stellt eine fehlende Digitalisierungsstrategie und die Auswirkungen davon die wichtigsten Ursachen für das Scheitern von Vorhaben zur Digitalisierung dar. Nicht vorhandene Priorisierungen, nicht abgestimmte Ziele oder mangelhafte Kommunikation erschweren die Projekte wesentlich. Ebenso wird der effiziente Einsatz von Finanzen und Ressourcen durch eine fehlende Strategie verhindert und Risiken können nicht identifiziert und deren Auswirkungen nicht optimal gemindert werden.

Eine externe Unterstützung kann im Rahmen der Strategieerarbeitung und Umsetzung sinnvoll sein, um eine neutrale Aussensicht zu erhalten und vorhandene Know-how Lücken zu schliessen.

Hinterlasse einen Kommentar